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Aktuelles

 

26.10.17 | Erklärung des VZK zur Potsdamer Garnisonkirche

Als „Verbund Zerstörte Kirchen“ (VZK), eine Arbeitsgemeinschaft, die sich eine enge Zusammenarbeit der Fördervereine und -gesellschaften von zu Zeiten der DDR zerstörten Kirchen zum Ziel gesetzt hat, danken wir Ihrer Redaktion sehr, dass Sie dem nun beginnenden Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam eine ganze Seite gewidmet haben. Der VZK begleitet seit seiner Gründung 2012 die Potsdamer Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche aktiv bei ihrem einmaligen städtebaulichen, kirchen- und kulturhistorischen Projekt. Sie ist damit ein besonders bedeutender Partner unseres Verbundes, dem außerdem Wiederaufbau- und Erinnerungsvorhaben in Bad Muskau, Berlin, Dresden, Leipzig (hier Johanniskirche und Universitätskirche St. Pauli) sowie Magdeburg angehören.

Völlig unabhängig davon, ob Christ oder Nicht-Christ, erzeugen Kirchen bei den Menschen doch immer eine emotionale Bindung zu ihrem Wohnort. Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört oder gar weitgehend unversehrt geblieben, sind viele erst durch SED-Willkürakte endgültig vernichtet worden – etwa 60 wurden abgerissen oder gesprengt. Damit sind auch über Jahrhunderte gewachsene topographische Strukturen zerstört oder überbaut worden. Diese zu „heilen“ und der Vergessenheit zu entreißen bildet eine wichtige Klammer der im Verbund Zerstörte Kirchen vertretenen Initiativen. Dabei reicht die Bandbreite von Wiederaufbau oder Rekonstruktion über Gedenkstätten bis hin zur Entwicklung einer Erinnerungskultur.

Es ist ahistorisch und unredlich, der Garnisonkirche Potsdam das Attribut „Militärkirche“ zuzuweisen, insbesondere mit der Reduzierung ihrer letztlich nur 90-minütigen(!) Rolle am 21. März 1933, dem „Tag von Potsdam“ (mit dem von den Nationalsozialisten äußerst geschickt "vermarkteten" Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler). Allerdings war sie neben ihrer Funktion als Hofkirche auch immer und ausdrücklich gewünscht Heimat einer Zivilgemeinde. Daher widerlegt eindrucksvoll allein auch diese über zweihundertjährige "andere" Tradition eine allein militärische Konnotation. Natürlich war die Garnisonkirche auch ein Gotteshaus für die preußische Armee. Es gab und gibt mehrere Garnisonkirchen in Deutschland und auch ihnen haftet militärische Symbolik an: So weist etwa die Dresdner Garnisonkirche viele Erinnerungstafeln und Devotionalien zu den deutschen Einigungskriegen im 19. Jahrhundert auf - bis heute!

Wenn also schon allein Gebäude für geschichtliche Verwerfungen mit Bann belegt werden sollen, muss dies doch sehr hinterfragt werden. Insofern hat der verantwortliche Architekt Thomas Albrecht völlig recht, wenn er im Interview auf das Beispiel des Berliner Reichstagsgebäudes als Beleg hierfür verweist

Genauso jedoch war die Potsdamer Garnisonkirche Heimatgemeinde einer großen Zahl Offiziere, die aktiv am Widerstand gegen Hitler mit Höhepunkt am 20. Juli 1944 beteiligt waren und dafür mit ihrem Leben gebüßt haben. Gerade also auch an ihre wechselvolle Geschichte zu erinnern und sie heute als einen Ort des Erinnerns und Versöhnens, zu einem Symbol des Friedens wieder (auf-)erstehen zu lassen, ist erklärtes Ziel unserer Partner der Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam.

Hierin werden sie vom Verbund Zerstörte Kirchen mit ganzer Kraft unterstützt!

 


09.08.17 | Paulinum eröffnet im Dezember 2017 und erinnert an gesprengte Universitätskirche

Wir freuen uns für Leipzig, dass die Eröffnung des Paulinums nun in greifbare Nähe rückt und mit der Erinnerungsarchitektur an die gesprengte Universitätskirche in moderner Formensprache ein guter Kompromiss gefunden wurde.

Die Leipziger Volkszeitung berichtet:

Paulinum: Dreitägige Einweihung im Dezember
Festakt, offene Türen für die Bürger und Gottesdienst geplant / Interne Bauabschlussfeier an der Uni am 23. August
Von MARIO Beck

Acht Jahre Bauverzug und Kostenexplosion – aber jetzt stehen der Einweihungstermin und die Programmeckpunkte zur Eröffnung des Paulinums am Campus am Augustusplatz fest. Auf LVZ-Anfrage bestätigte Uni-Sprecher Carsten Heckmann gestern, dass das Paulinum Anfang Dezember öffentlich seiner Bestimmung übergeben wird. „Die Planungen dafür laufen jetzt an.“ Drei Tage rund um den 608. Universitätsgeburtstag, der am 2. Dezember begangen wird, seien für die Feierlichkeiten vorgesehen. Am 1. Dezember geht demnach ein Festakt mit viel Prominenz über die Bühne, am Tag darauf – dem Dies academicus – sind die Bürger zur Besichtigung des stadtbildprägenden Gebäudes eingeladen und am 3. Dezember findet darin ein Universitätsgottesdienst statt.

In der architektonischen Formensprache erinnert der vom holländischen Baumeister Erick van Egeraat entworfene Komplex an die 1968 in einem Akt der Kulturbarbarei gesprengte Universitätskirche Sankt Pauli. Eigentlich sollte das Paulinum schon 2009 zum 600. Gründungsjubiläum der Alma mater vollendet sein. Doch das Großprojekt kam immer wieder ins Stocken und sorgte hinsichtlich seiner Innenausstattung für Streit. Der entbrannte über die den Altarraum und die Aula trennende Wand aus Plexiglas ebenso wie über die Verbannung der historischen Kanzel aus dem Gebäude. Derzeit hat sie ihr Interimsquartier im Musikinstrumentenmuseum.

Die vom Freistaat Sachsen als Bauherren zu zahlenden Kosten uferten auf rund 117 Millionen Euro aus und verdoppelten sich damit. Letzter Knackpunkt vor der Vollendung waren die leuchtenden Glassäulen in der Kathedrale. Nach Angaben des Finanzministeriums konnte dieses Problem durch eine deutsche Spezialfirma gelöst werden. In den letzten Monaten waren sie installiert und erfolgreich getestet worden. „Sie können sich sehen lassen“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Gößl. Nach LVZ-Informationen soll auch van Eggerat mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.

In den letzten Jahren bekam das Bauwerk Zug um Zug sein Inventar. Installiert und auf die Raumakustik abgestimmt wurde die von der Dresdner Firma Jehmlich gefertigte große Orgel, der Pauliner-Altar erhielt ebenso wie viele kostbare Epitaphien seinen Platz in dem für Gottesdienste geschaffenen Paulinum-Bereich. Während drinnen noch weiter gewerkelt wird, hat Finanzminister Georg Unland schon Einladungen zu einer „Bauabschlussfeier“ am 23. August verschicken lassen. Ausweislich des Programmes gibt es dabei für geladene Gäste eine ökumenische Andacht und Ansprachen von Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Bundesbildungsministerin Johanna Wanka sowie Unland (alle CDU). Rektorin Beate Schücking steht nicht auf der Rednerliste. Anschließend wird das Werk eingehend inspiziert. Zwei Stunden soll die Zeremonie dauern. Gedacht sei sie als Danksagung an alle am Bau Beteiligten, erklärte Gößl. Auch van Eggerat gehört zu den Geladenen, noch ist unklar, ob er kommt.

Danach bleibt das Paulinum zunächst weiter in der Hoheit des Freistaates, wann intern die Nutzungsübergabe an die Alma mater erfolgt steht noch nicht fest – möglicherweise im September. In der Folge muss die Ausstattung bis zur Eröffnung vervollkommnet werden. Unter anderem ist die Bestuhlung für die künftig als Konzert-, Fest- und Konferenzsaal vorgesehene Aula zu komplettieren. Um die rund 700 Sitzgelegenheiten zu beschaffen, läuft seit längerem die Aktion „Stuhlpatenschaften“. Der Obolus für eine solche Patenschaft beträgt 500 Euro.

 


31.05.17 | Magdeburger Erklärung des Verbundes Zerstörte Kirchen

 

„Magdeburger Erklärung“ des Verbundes Zerstörte Kirchen zur Entscheidung des Magdeburger Stadtrats gegen eine Rekonstruktion des Portals der Ulrichskirche auf dem Ulrichsplatz


Mit großem Unverständnis haben wir den knappen Mehrheitsentscheid des Magdeburger Stadtrats gegen die Wiedererrichtung des Originalportals der Ulrichskirche an seinem ursprünglichen Standort zur Kenntnis genommen. Wir – eine Arbeitsgemeinschaft der Fördervereine und -gesellschaften, die mit Gedenk- und Wiederaufbauprojekten an zu Zeiten der DDR zerstörte Kirchen erinnern wollen – bedauern zutiefst diesen verhängnisvollen Bruch mit über 1000 Jahren ehrwürdiger Magdeburger Geschichte!

Unsere Verbundpartner setzen sich seit Jahren mit großem Engagement dafür ein, durch ideologische Willkür zerstörte Stadtbilder auch mit der Wiedererrichtung hierbei vernichteter Kirchen, die ganz oder noch teilweise erhalten waren, nachhaltig und identitätsstiftend zu „heilen“. So wird in Dresden mit der wieder aufgebauten Busmannkapelle an die von den SED-Machthabern 1964 endgültig zerstörte Sophienkirche erinnert, entsteht in Leipzig die 1968 gesprengte, bis dahin vollkommen erhaltene Universitätskirche in moderner Formensprache oder in Potsdam die ehemalige Garnisonkirche gar in ihrer äußerlich originalen Kubatur wieder. Andere Partnerprojekte haben besondere und vielfältige Formen des Gedenkens und Erinnerns entwickelt. All diese Vorhaben waren von teils heftigen Auseinandersetzungen begleitet, letztendlich aber konnten auch mitunter schmerzliche Kompromisse zu gedeihlichen Ergebnissen verhelfen. Diese Fähigkeit zum Kompromiss vermissen wir mit den nun in Magdeburg geschaffenen Tatsachen außerordentlich! Im auch für diese Stadt so bedeutenden Reformationsjahr wurde eine sowohl stadthistorische als auch kirchengeschichtliche Chance ohne Not vertan! Was nach dem Entwurf unseres Verbundpartners Kuratorium Ulrichskirche auf dem Platz hätte entstehen sollen, wäre, wie die Animation zeigt, im Platzgefüge eine architektonische und topographische "Winzigkeit",die sich dort allerdings wundervoll gemacht hätte. Schon bald wäre daraus für Magdeburg ein weiterer touristischen Anziehungspunkt geworden – das ist sicher! Die nun getroffene Entscheidung gegen das Projekt unserer Magdeburger Freunde zeugt von geschichtsvergessener Borniertheit der für den Ablehnungsentscheid Verantwortlichen. Mit der Vernichtung der im Zweiten Weltkrieg noch halbwegs intakten Ulrichskirche haben sich 1956 die damaligen Machthaber ins Unrecht gesetzt. Das ist offensichtlich und nicht interpretierbar! Hierfür – wie in der Stadtratssitzung geschehen – „korrekte“ städtebauliche Erwägungen ins Feld zu führen, mit der die SED die entstehende Fläche in Wirklichkeit für ihre Zwecke tauglich machen wollte, lässt 60 Jahre später eine damals undemokratisch getroffene Entscheidung nachträglich sakrosankt werden. Das ist unerträglich!

Es bleibt also wie so oft ein äußerst klammes Gefühl zurück: Recht bekommen heißt nicht unbedingt Recht haben!

Da jedoch auch die „Hoffnung erst zuletzt stirbt“, sei den für Magdeburg Verantwortlichen dringend ans Herz gelegt, in naher Zukunft einen neuen Anlauf für den Ulrichsplatz zu nehmen und an die einst auf ihm gestandene Kirche in würdiger Form zu erinnern. Magdeburg hätte es verdient!

Der Sprecher Rainer Manertz,  Seminarschulrat a.D.

 


20.10.16 | Magdeburger Ulrichskirche erneut Thema im Stadrat

Der Magdeburger Stadtrat wird am Donnerstag, den 20.10.2016 erneut über die Möglichkeiten der Sichtbarmachung und möglich Teilrekonstruktion der Magdeburger Ulrichskirche beraten. In der Folge zweier Portalrekonstruktionen in Magdeburg (Sterntor, Katharinenportal) wurde vom Kuratorium Ulrichskirche e.V. der Vorschlag gemacht, das Ulrichskirchenportal am alten Standort zu rekonstruieren und die Grundmauern der Kirche zu markieren. Das Erinnern an die bedeutendste Reformationskirche der Stadt würde Magdeburg beim 500. Reformationsjubiläum 2017 und bei der Kulturhauptstadtbewerbung 2020 gut zu Gesicht stehen.

 


16.10.16 | Neuer Beitrag über die gesprengte Stadtkirche von Bad Muskau

Die Internetseite www.kirchensprengung.de wird um einen interessanten Beitrag über die gesprengte Stadtkirche von Bad Muskau erweitert. Ich danke herzlich Frau Brigitte Haraszin und Ekkehard Brucksch für die Bereitstellung von Text und Bildern. Weitere Informationen über folgendem Link: http://kirchensprengung.de/cms/kirchensprengung_erinnerung.html

 


01.10.16 | Baugeschehen in Dresden macht Fortschritte

Der Wiederaufbau der Busmannkapelle in Dresden macht große Fortschritte. Das aktuelle Baugeschehen kann unter folgendem Link bestaunt werden. Es lohnt sich!

http://www.busmannkapelle.de/index.php?PHPSESSID=badd5c75f3ebf419faa6e32fdd9a00df&page=building

 


18.09.16 | Ausstellung des Fördervereins Johanniskirchturm vom 1.8.16-30.1.17 in Leipzig

Der FöV Johanniskirchturm hat zur Vernissage einer Ausstellung über sein Erinnerungsprojekt am Johannisplatz in Leipzig eingeladen, die vom 1. August 2016 bis zum 30. Januar 2017 in der Universitätsklinik Leipzig zu sehen ist. Die kleine, aber feine Kabinettsaustellung präsentiert sich in einem Verbindungsgang zweier Klinikkomplexe, so dass von daher schon reichlich Publikum garantiert ist. Auf informativen Tafeln stellt der Verein die Geschichte von Johannisplatz und -kirche dar und informiert über seine Arbeit und Ziele. Gleichzeitig präsentiert sich der Freundeskreis Gellert zu Leipzig sowie der Luther-Melanchthon-Denkmal e.V., dessen Bestreben die Wiedererrichtung des entsprechenden Denkmals ist, das vor der Johanniskirche stand. Mit der Ausstellung machen die Veranstalter auf die historische Bedeutung und den derzeitigen "Dornröschenschlaf" eines einstmals sehr belebten und in der Stadtentwicklung wichtigen Areals aufmerksam. Dazu passt auch der Ausstellungsort im Universitätsklinikum, dessen Gelände sich auf dem Gebiet des früheren Johannishospitals vor den Toren der Stadt befindet.

 


11.05.16 | Kostenexplosion für das Leipziger Paulinum

Die Leipziger Volkszeitung berichtet: "Kostenexplosion – aber (fast) niemand will Kontrollen. Leipzigs Paulinum ist ein Grab für Steuermillionen geworden...Eine Verdoppelung der Baukosten auf 117 Millionen Euro, eine Bauzeitüberschreitung von über sechs Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht: Der Bau des Paulinums am Augustusplatz – eines der teuersten Projekte des Freistaates – scheint völlig aus dem Ruder gelaufen zu sein..."

 


12.04.16 | Reaktion des VZK auf den Artikel in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT

Der Sprecher des Verbundes Zerstörte Kirchen (VZK) Rainer Manertz zu Matthias Grünzig: „Der Ungeist von Potsdam“ (Die ZEIT vom 31. 03. 2016): 

"Als Sprecher des "Verbundes Zerstörte Kirchen", einer Interessengemeinschaft der Fördervereine und -gesellschaften von zu Zeiten der DDR zerstörten Kirchen in Berlin, Dresden, Leipzig, Magdeburg und Potsdam sowie auch als Mitglied der "Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam" weise ich die von Ihrem Autor in einseitiger und verkürzter Weise formulierte Kritik an den Befürwortern des Wiederaufbaus der Garnisonkirche sowie insbesondere an Andreas Kitschke und seinem hervorragenden Buch "Die Garnisonkirche Potsdam – Krone der Stadt und Schauplatz der Geschichte" (Berlin: be.bra 2016) entschieden zurück! Allein die Überschrift zum Beitrag in der ZEIT kann bei flüchtiger Wahrnehmung als Diffamierung der Stadt Potsdam überhaupt verstanden werden, die sich bei diesem Thema sehr zu Unrecht immer wieder auf den 21. März 1933 – den "Tag von Potsdam" – reduziert sieht, und im Untertitel blendet das Item "finstere Geschichte des Gebäudes" die über zweihundertjährige ganz andere Tradition dieses im norddeutschen Barock einmaligen Sakralbaus völlig aus! Natürlich war die Potsdamer Garnisonkirche ein Gotteshaus für die preußische Armee, zu der allerdings auch immer und ausdrücklich gewünscht eine Zivilgemeinde Zugang hatte, wie im Artikel richtig festgestellt wird. "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I., ein gottesfürchtiger Mann, der im übrigen nie einen Krieg geführt hat (!), wollte für sein Heer einen Ort, wo dessen Angehörige ihren Glauben leben konnten. Zum äußeren Zeichen dieser ihrer Funktion als Kirche für die Armee hatte sie selbstverständlich militärsymbolischen Schmuck und Zierrat außen und innen. Dies im Beitrag ihres Autors als zumindest doch sehr fragwürdig und des Militarismus verdächtig hervorzuheben, ist billig und bringt für die Diskussion keine neuen Erkenntnisse. Es gab und gibt mehrere Garnisonkirchen in Deutschland und auch ihnen haftet militärische Symbolik an: So weist die Dresdner Garnisonkirche viele Erinnerungstafeln und Devotionalien zu den deutschen Einigungskriegen im 19. Jahrhundert auf - bis heute!Auch die Geschichte des vielzitierten "Tages von Potsdam" zur Eröffnung des Reichtstages 1933 liest sich mittlerweile weitaus differenzierter, als sie immer wieder und damit nicht richtiger kolportiert wird: Der von den Nationalsozialisten äußerst geschickt "vermarktete" Handschlag zwischen Hindenburg und Hitler – von dem es mehrere Photographien aus verschiedener Perspektive gibt, nur diese "berühmte" jedoch von den Nazis ausgewählt wurde – war ein dem Protokoll an diesem Tage angemessener, allerdings ausgenommen flüchtiger gegenseitiger Gruß.Selbst wenn es wie auch von ihrem Autor immer wieder behauptet wird: Hindenburg war mitnichten der "Wegbereiter Hitlers"! Die Ereignisse bis zum Frühjahr 1933 sind nur vor dem Hintergrund der zunehmend chaotischen Zustände gegen Ende der Weimarer Republik verständlich,so dass ein Perspektivwechsel hinsichtlich der Rolle Hindenburgs am Vorabend der "Machtergreifung" Hitlers durchaus hilfreich sein könnte: Der Reichspräsident, der im Jahr zuvor (1932) gegen Hitler(!) mit eindrucksvoller Mehrheit der demokratischen Parteien wiedergewählt worden war, erwies sich gleichsam als letztes "Bollwerk" der Weimarer Verfassung gegenüber den immer aggressiver auftretenden Nationalsozialisten. Da diese aus den Reichtagswahlen im März 1933 als stärkste Partei hervorgegangen waren, versuchte Hindenburg mit mehreren Verordnungen gegenzusteuern, die letztlich aber nur den Nazis in die Hände spielten. Erst mit dem Tod Hindenburgs 1934 kam ein dadurch endgültig "entfesselter" Adolf Hitler ungehemmt zu totaler Macht.Die endlich auch vor Hindenburg nicht Halt machenden Weimarer "Zwangsverhältnisse" mit ihrem unheilvollen Ausgang dokumentieren sich ebenso in der Absetzung eines weiteren demokratischen "Bollwerks" jener Jahre gegen die Nationalsozialisten: Der langjährige preußische SPD-Ministerpräsident Otto Braun ("Roter Zar von Preußen") wurde 1932 im Zuge des sogenannten "Preußenschlags" entmachtet. Braun - von Hindenburg trotz gegensätzlicher politischer Anschauungen hoch respektiert - und sein Berliner Polizeivizepräsident Bernhard Weiß (der jüdischer Herkunft war) versuchten bis zuletzt mit den Rechtsmitteln des preußischen Staates die braune Flut einzudämmen. Beiden, Braun und Weiß, gelang glücklich die Flucht ins Exil. Das Ende für Deutschland kennen wir.In seinem äußerst lesenswerten Buch zur Garnisonkirche Potsdam stellt der von Ihrem Autor völlig zu Unrecht gescholtene Andreas Kitschke jene Zusammenhänge und die unheilvollen Jahre des Nationalsozialismus auch für diese Kirche auf vielen sorgsam recherchierten Seiten (ab S. 170) klar und wissenschaftlich redlich heraus. Die schrecklichen 12 Jahre bis zur Zerstörung 1945 vermögen über zweihundert Jahre ganz anderer Konnotation nicht zu sabotieren. Auch wenn in den dunklen Jahren 1933 bis 1945 die Potsdamer Garnisonkirche Ort kruder nationalsozialistischer Weiheveranstaltungen war: Zu Zeiten der SED-Diktatur verkamen viele Gotteshäuser zu Lagerhallen, Rumpelkammern oder wurden – wie 1968 die Garnisonkirche und andere – abgerissen. Wo also beginnt der Grad der Verwerflichkeit?Dass in der Garnisonkirche Potsdam ein großer Teil der aus der Wehrmacht stammenden Offiziere des Widerstandes gegen Hitler 1944 als praktizierende Christen Gemeindeglieder waren, ist Ihrem Autor bezeichnenderweise keine Zeile wert! Es ist also zu fragen, ob und inwieweit er das Buch Kitschkes überhaupt gelesen hat und: Man ist geradezu gespannt, mit welchem Anspruch Ihr Autor nun selbst noch ein Buch über die Garnisonkirche zu verfassen gedenkt! In seinem „opus magnum“ zum gleichen Thema zitiert Andreas Kitschke im Hinblick auf den Widerstand vom 20. Juli den zu seinem engsten Kreis gehörenden Henning von Tresckow, der einenganz anderen „Geist von Potsdam“ offenbart. Aus Anlass der Konfirmation seiner Söhne 1943 gibt er ihnen auf den Weg:“Von wahrem Preußentum ist der Begriff Freiheit niemals zu trennen. Wahres Preußentum heißt Synthese zwischen Bindung und Freiheit (...). Ohne diese Verbindung läuft es Gefahr, zu seelenlosem Kommiß und engherziger Rechthaberei herabzusinken. Nur in der Synthese liegt die deutsche und europäische Aufgabe des Preußentum, liegt der preußische Traum (...)“! (Kitschke, ebd., S. 24)Seit 1797 bis zur Zerstörung 1945 erklang vom Turm der Garnisonkirche Potsdam zu jeder halben Stunde einmal der Choral „Lobet den Herrn“ und zum anderen die Weise „Üb' immer Treu und Redlichkeit“ mit einer Melodie, die auf Mozart zurückgeht. Gerade die hierin ausgesprochene Mahnung an uns alle und besonders die Herrschenden sagt mehr aus über den „Geist“, der über dieser Kirche lag, als es – leider wieder einmal! - Ihr Autor in seinem Beitrag glauben zu machen versucht. „Treu und Redlichkeit“ wäre eine ethische Grundhaltung, die vielen unserer heutigen „Entscheider“ gut anstünde!"

 


12.04.16 | Andreas Kitschkes Antwort an "Die Zeit"

Andreas Kitschkes Leserbriefantwort zu Matthias Grünzigs: „Der Ungeist von Potsdam“ (Die Zeit vom 31. 03. 2016, Link: http://www.zeit.de/2016/15/ns-zeit-geschichte-potsdam-garnisonkirche )

"Als unmittelbar Angesprochener sehe ich mich veranlasst, auf diesen Beitrag zu reagieren. Grünzigs Vorwurf lautet: „Das Buch Die Garnisonkirche – Krone der Stadt und Schauplatz der Geschichte  [...] blendet die unselige Rolle des Gebäudes währen d der Weimarer Republik  und im Nationalsozialismus fast vollständig aus“. Das ist falsch. Im Gegensatz zu ihm habe ich die ganze Breite der geschichtlichen Ereignisse dargestellt, und wie es sich für eine wissenschaftliche Arbeit gehört, mit genauen Quellennachweisen belegt. Dasselbe gilt für die Bildnachweise. Dort, wo es sich um Computersimulationen handelt, sind diese auch als solche gekennzeichnet. In meinem Buch werden die dunklen Seiten der Geschichte dieses besonderen Ortes nicht ausgelassen, sondern mit Zitaten belegt und in den jeweiligen Zusammenhang gestellt. Genau dieses wissenschaftliche Vorgehen vermisse ich in Grünzigs Beitrag. Der Vorwurf, etwas auszublenden, fällt auf den Autor zurück. Denn seine Polemik, die nur Schwarz und Weiß, aber keine Zwischentöne kennt, erinnert an einen „Tunnelblick“. Wer ein Sammelsurium von Fakten und Verdächtigungen aneinanderreiht (beides ist  mangels Quellennachweisen bei ihm nicht zu unterscheiden!), ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, sie in den historischen Kontext einzuordnen, kann nicht für sich beanspruchen, sauber zu recherchieren. Da werden die wenigen Naziveranstaltungen (welche die Pfarrerschaft zu verhindern gesucht hatte, was am Staatseigentum der Garnisonkirche scheiterte) mit Gottesdiensten, in denen für Führer und Regierung gebetet wurde, munter vermengt. Als in der DDR aufgewachsener evangelischer Christ kann ich mich gut erinnern, dass in unseren Gottesdiensten auch für die Staatsführer der DDR Fürbitte gehalten wurde. Das sagt lediglich aus, dass Christen Gott bitten, die Regierenden auf den rechten Weg zu lenken. Dass die Evangelische Kirche der Weimarer Zeit kein Hort der Demokratie war, ist bekannt; das gilt für die Garnisonkirche nicht mehr als für andere Orte! Dass die Nationalsozialisten in perfider Weise die Bekanntheit der Garnisonkirche und der darin ruhenden beiden Preußenkönige nutzten und dieser Missbrauch bis heute – bis zum Aufsatz von Herrn Grünzig – fortlebt, ist das eigentlich Erschreckende. Hier feiert das alttestamentliche Ritual des „Sündenbocks“ (nachzulesen im 3. Buch Mose Kapitel 16 Vers 10) fröhliche Urständ! Dem Förderverein und der Stiftung Garnisonkirche kommt es vor allem auf die Wiederherstellung eines der schönsten Barocktürme Europas an, der zum barocken Stadtbild gehört. Wider besseres Wissen den Wiederaufbaubefürwortern der Garnisonkirche zu unterstellen, sie würden den „Ungeist von Potsdam“ heraufbeschwören, ist geradezu abenteuerlich. Das Nutzungskonzept ist für Jedermann zugänglich und zielt darauf ab, dass Christen Fehler der Vergangenheit erkennen und ihr Gewissen für verantwortliches gesellschaftliches Handeln schärfen. Die lebhafte Debatte zeigt, dass kein anderer Ort in Deutschland hierfür geeigneter ist als die Garnisonkirche. Damit liefern Gegner wie Grünzig selbst das stärkste Argument für ihren Wiederaufbau!"

 


12.04.16 | Artikel in der Wochenzeitschrift "Die Zeit": Der Ungeist von Potsdam

Matthias Grünzig: Der Ungeist von Potsdam.

"Die Garnisonkirche war einst ein Wahrzeichen der preußischen Residenzstadt. Nun wird, nach jahrelangem Streit, über ihren Wiederaufbau entschieden. Zeit, die finstere Geschichte des Gebäudes offenzulegen:.."

14. April 2016 DIE ZEIT Nr. 15/2016

http://www.zeit.de/2016/15/ns-zeit-geschichte-potsdam-garnisonkirche

 


31.10.10 | Dr. Christoph Bergner:

Dr. Christoph Bergner, MdB, Staatssekretär zur Internetseite www.kirchensprengung.de und der Idee eines Dokumentationszentrums zur Kirchensprengung:

"Ein solches Dokumentationszentrum mit Informationen zu den mehr als 60 gesprengten Kirchen könnte beispielhaft deutlich machen, wie sich die Ideologie der SED im Verhältnis des Staates zu den Kirchen ausgewirkt hat." (13. Oktober 2010)

 


Aktualisiert am 01.06.2016