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Ostberlin

In der Hauptstadt der DDR wurden rigoros profane und sakrale Bauwerke gesprengt. Das Stadtzentrum Berlins sollte den neuen sozialistischen Zeitgeist repräsentieren, für bürgerliche und christliche Bauwerke war hier kein Platz. Bereits im Jahre 1949 fiel die Georgenkirche am Alexanderplatz aus ideologischen Gründen der Sprengung zum Opfer, sechzehn weitere Kirchensprengungen sollten folgen. Als symbolträchtigste Kirche der seit 1949 andauernden Sprengungsserie fiel 1985 die völlig intakte Versöhnungskirche an der Bernauer Straße den Sprengladungen der SED-Funktionäre zum Opfer, nachdem sie zuvor noch als MG-Schützenturm mißbraucht wurde.

Georgenkirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Erste urkundliche Erwähnung eines Georgenhospital 1228, im Jahre 1331 dazugehörige Kirche genannt, 1779 abgerissen, Neubau der Georgenkirche 1780 am Alexanderplatz, am 29. Oktober 1780 eingeweiht, 1898 dritte Kirche an dieser Stelle, Architekt Johannes Otzen, reiche und farbenprächtige Glasmosaiken mit Ornamenten und Symbolen des Christentums, im Zweiten Weltkrieg Schiff teilzerstört

DDR-Zeit: Wiederaufbau wegen des geplanten Ausbaus der Stadtmitte am Alexanderplatz vom damaligen SED-Magistrat aus ideologischen Gründen nicht genehmigt, Georgenkirche 1949 - im 51. Jahr ihres Bestehens - gesprengt

Versöhnungskirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  1894 nach Plänen von Möckel als neogotische Backsteinkirche errichtet, Grundriss achteckig, von Kaiserin Auguste Victoria gestiftet, Weihe am 28. August 1894, Ende der 1920er Jahre 20.000 Mitglieder und drei Pfarrer, quadratischer Turm, Höhe 75 Meter, mehr als 1000 Sitzplätze, Beschädigung im Zweiten Weltkrieg

DDR-Zeit: Standort zwischen dem sowjetischen und französischen Sektor, 1950 wiederhergestellt, bis 1961 für Gottesdienste genutzt, durch den Mauerbau 1961 Grenzsituation, Hauptportal zugemauert, ab Oktober 1961 kein Eintritt mehr, Kirchturm von DDR-Grenztruppen als Wachturm mit MG-Geschützstand genutzt, Am 22. Januar 1985 Sprengung der Kirche und am 28. Januar des Turmes

Böhmische Kirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Ende 1732 Zuzug böhmischer Auswanderer nach Berlin, Zuweisung eines Bauplatzes in der Friedrichstadt/Mauerstraße, Baumaterialen von Friedrich Wilhelm I. geschenkt, Bau der Kirche 1735 - 1737 an der Ecke Mauerstraße/  Krausenstraße, Architekt F.W. Diterichs, in Gedenken an die Prager Kirche „Bethlehemskirche“ genannt, im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, Umfassungsmauern erhalten

DDR-Zeit: 1954 abgetragen (1999 Platz wieder in Bethlehemskirchplatz umbenannt, Fundamente der Kirche gesichert und durch farbige Straßenpflasterung markiert, die Skulptur „Houseball“ von Claes Oldenburg und Coosje van Brüggen symbolisiert den spärlichen Hausrat eines Exilanten)

Garnisonkirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  evangelische Kirche für die Soldaten der Garnison Berlin, Standort Garnisonkirchplatz/Neue Friedrichstraße in Berlin-Mitte, 1701-1703 erster Bau, Zerstörung durch Explosion eines benachbarten Pulverturmes am 12.8.1720, zweiter Bau von 1720-22 durch Johann Phillipp Gerlach, 1863 von August Stüler umgebaut, 1908 abgebrannt, bis August 1909 erneuert, 2700 Sitzplätze, am 23. November 1943 nach Bombentreffer ausgebrannt, Umfassungsmauern intakt, Glockenturm ebenfalls noch erhalten, Grüfte unzerstört und in der Folgezeit geplündert

DDR-Zeit: 1962 Abriß der gut erhaltenen Kirchenruine, Garnisonfriedhof erhalten

Luisenstadtkirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  1751–1753 Neubau an Stelle der Sebastiankirche in der alten Jacobstraße, Pläne  von Christian August Naumann und Johann Gottfried Büring, durch Umbenennung der Vorstadt vor dem Köpenicker Tor in Luisenstadt 1802 Namensänderung,  1841 Holzsäulen in Zinkguß ersetzt, Kanzel und Orgel erneuert und Sakristei vergrößert, 1845 der Turm von August <nobr>Soller </nobr>fertig gestellt, 1891 Renovierung des Inneren, 40 m lang und 15,75 m breit, rechteckiger Saal, Rundbogenfenster und hohes, nach vier Seiten abgewalmtes Ziegeldach, Eingänge unter dem Turm und an den beiden Schmalseiten, im  Zweiten Weltkrieg durch Bomben teilzerstört

DDR-Zeit: Kirchenruine 1964 abgerissen, Fundamente noch vorhanden

Petrikirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Ehemalige Pfarrkirche von Kölln, der Schwesterstadt von Berlin, anstelle von zwei mittelalterlichen und einem barocken Vorgängerbau am Petriplatz errichtet, Bauzeit von 1846-1853, Architekt J.H.Strack, neogotischer Backsteinbau, einschiffige Kreuzkirche mit 5/8-Chorschluss, hoher, das Stadtbild beherrschender  Turm, kurzschenklige Kreuzarme als Giebelfassaden mit flankierenden Türmchen, sterngewölbtes, bemaltes neogotisches Inneres, Emporen. Am 3. Februar 1945 nur leicht getroffen, am 28. April 1945 in der Straßenschlacht schwere Beschädigung

DDR-Zeit: 1960-64 Abtragen der stadtbildbestimmenden Kirche

Dorotheenstädtische Kirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Pfarrkirche der 1674 von Kurfürst Friedrich Wilhelm gegründeten Dorotheenstadt, erbaut 1861-1863 von Habelt anstelle eines 1678-1687 errichteten Vorgängerbaus, kreuzförmige Backstein-Pseudobasilika im italienisierenden Stil der Stülerschule, 5/8-Chor, Nebenapsiden, hoher Turm, Inneres 1902-03 umgestaltet, berühmte Grabmäler Berliner Künstler und Architekten (Langerfeld, Smids, Nering, Therbusch) im Inneren, am 22. November 1943 von Bomben getroffen und ausgebrannt

DDR-Zeit: Kirche 1965 abgebrochen, Grabmale des Grafen von Mark seit 1951 in der Nationalgalerie Berlin ausgestellt, Epitaphien (Meckel, Therbusch) in das Staatl. Museum Berlin gebracht

Dreifaltigkeitskirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Erbaut von 1737 bis 1739 in Zusammenhang mit der 1732 erfolgten Erweiterung der Friedrichsstadt in der Mauerstraße, Pläne von T. Favre in Anlehnung an das Vorbild der nahegelegenen Böhmischen Kirche, kreisrunder barocker Zentralbau mit hoher laternenbekrönter Holzkuppel, vier kurze, die Form eines griechischen Kreuzes andeutende Risaliten in den Hauptachsen, überkuppeltes Innere allseits von dreigeschossigen Emporen umgehen, 1885/86 Anbau einer neubarocken Vorhalle mit flankierender Sakristei und Taufkapelle, am 23. November 1943 bei Bombenangriff ausgebrannt, Ruine als Luftschutzbunker ausgebaut, im Mai 1945 im Straßenkampf weiter zerstört

DDR-Zeit: Umfassungsmauern 1947 gesprengt

Markuskirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Im Osten der Altstadt in der Weberstraße am Straußberger Platz, 1848-50 als Backsteinbau nach Entwürfen von Friedrich August Stüler errichtet, Ausführender G. Erbkam und G.L. Runge, Rundbogenstil, lombardische Vorbilder im 15. Jahrhundert, bedeutendstes Werk der Berliner romantischen Schule, oktogonaler Zentralbau von basilikalem Querschnitt, von Anbauten begleitete Ostapsis, schlanker Westturm von 60 m Höhe, auf acht Arkaden ruhender Mittelbau von 47 m, hohe Tambourkuppel, eingebaute Holzempore, Ausstattung 1900 verändert, Platz für 1450 Menschen, Apsis ausgemalt, am 7. und 19. Mai 1944 durch Spreng- und Brandbomben beschädigt

DDR-Zeit: Kirchenbau 1957 abgerissen

Lazaruskirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Neogotische Backsteinkirche an der Grüneberger Straße, Ecke Kadiner Straße, nach Plänen von Friedrich Wilhelm Wever erbaut, Grundsteinlegung am 20. Oktober 1905, Weihe am 14. Dezember 1907, trutzige Fassaden- und Turmgestaltung, Turm 66 m hoch, weiße Terrakottavorhalle im Westen vorgelagert, Inneres mit roten Marmorsäulen und neogotischen Kreuz- und Sterngewölben versehen, große Rosettenfenster, reich geschmücktes Kircheninneres, viele Wandmalereien und Holzschnitzereien, Kirche bot Platz für bis zu 1450 Personen, am 13. April 1945 von Brandbomben getroffen und ausgebrannt

DDR-Zeit: am 10. September 1949 Ruine gesprengt

Domkandidatenstift

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Standort an der Oranienburger Strasse an der Einmündung der Krausnickstrasse, Teil des Parks, Aufgabe des Domkandidatenstiftes: praktische und theoretische Ausbildung von Kandidaten zum geistlichen Amt, seit 1659 eigenes Heim, eigene Stiftskapelle aber erst 1874 errichtet, 1944 und 1945 von Brandbomben getroffen, ausgebrannt

DDR-Zeit: die in der Substanz noch gut erhaltene und wiederherstellungsfähige Ruine wurde 1972 abgetragen, vom Domkandidatenstift mit seiner Kirche gibt es im Stadtbild keine Spuren mehr

Andreaskirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Kirche am Stralauer Platz/ Ecke Andreasstraße, erbaut 1854 bis 1856 von Johann Heinrich Strack, Rundbogenstil der Schinkelnachfolge, kubisch und ruhig gelagerter Baukörper mit Flachdächern, nüchterne, dreischiffige, Backsteinbasilika mit eingezogener Ostapsis, umgangartig umgeführte Sakristei, querschiffartig gestaltete Eingangsfront, ein schlanker Turm von 60 Metern Höhe, durch Rundbogenarkaden geteilter Innenraum von nur 17 Metern Höhe, fünf Fensterachsen, Emporen in den Seitenschiffen, Platz für 1400 Personen, am 8. Mai 1944 durch Spreng- und Brandbomben beschädigt

DDR-Zeit: am 12. Januar 1949 Ruine gesprengt

Gnadenkirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  Erbaut in der Invalidenstraße am Invalidenpark von 1891 bis 1895, Erinnerung an die Kaiserin Augusta, daher auch Augustakirche genannt, im Zweiten Weltkrieg beschädigt, interessant ist in dem Zusammenhang das Schicksal der Auguste-Victoria-Glocke der Kirche, welche in der DDR nur knapp der Verschrottung entging und sich heute in Bochum befindet

DDR-Zeit: 1967 Ruine gesprengt, heute erinnert Denkmal im Invalidenpark an die Kirche

Philippus-Apostel-Kirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  ursprünglicher Standort in der Philippstraße, Nebenstraße der Hannoverschen Straße, das Gebiet am Spandauer Tor jenseits der Stadtmauern, heute Hackescher Markt, war ursprünglich ein Vorstadtgebiet, Besiedlung im 17. Jahrhundert, 1713 erhielt diese Vorstadt mit der Sophienkirche eigene Gemeinde, mit dem Dichterwerden der Besiedlung wurden 1835 (St. Elisabeth) und 1856 (St. Johannes-Evangelist und St. Philippus-Apostel) eigene Gemeinden mit eigenen Kirchenbauten abgezweigt, im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche 1945 aus

DDR-Zeit: in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts endgültig beseitigt, Gemeinde fand in angemieteten Gewerberäumen Zuflucht, 1999 Fusion mit anderen zur Evangelischen Kirchengemeinde Sophien

Kapelle der Charité

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  ursprünglicher Standort im Park der Charité an der Spree, Charité 1710 von Friedrich I. als Pesthaus gegründet, 1727 "Heil- und Lehranstalt" und erste medizinische Bildungsanstalt in Deutschland, später der Berliner Universität zugeordnet, bis zum Bau der Kapelle 1900-1901 Gottesdienste in den Anstaltsgebäuden und auch im Speisesaal, 1943 Zerstörung des Daches durch Bomben

DDR-Zeit: 1954 schloß die Charité einen Nutzungsvertrag über 20 Jahre ab, dieser wurde aber schon im gleichen Jahr wieder gekündigt, Ende der 50er Jahre im Zuge des Neubaus der zentralen Poliklinik Abriß der Kapelle

Franziskuskirche

Originalzustand

Vor der Sprengung

Geschichte:  noch unbekannt noch unbekannt noch unbekannt noch unbekannt noch unbekannt noch unbekannt noch unbekannt noch unbekannt

DDR-Zeit: 1987 abgerissen

Aktualisiert am 18.02.2014